Cold ** Sin
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Triggern!!!

Ein Schnitt - Erfahrngen


Verzweiflung. Tränen rannen über ihre Wangen. Tiefste Verzweiflung saß auf ihrem Herzen, wie ein Vogel auf einen Ast, die scharfen Krallen in das empfindliche Gewebe geschlagen. Der spitze Schnabel blitzt auf und sticht immer wieder zu, langsam und unaufhörlich. Ihr Herz schmerzte, so sehr dass sie sich keuchend an die Brust fassen musste. Mit der freien Hand stützte sie sich zitternd an ihrem Bettpfosten ab.
Stöhnend lies sie sich auf die weiche Matratze fallen. Es war wie ein Widerspruch zu der Härte, die ihr wiederfahren war. Aus der Anlage drangen langsame, melancholische Melodien und eine tiefe dunkle Stimme sang ein Lied. Ein Totenlied. Die Musik war leise, doch sie hörte sie schmerzhaft laut in ihren Ohren. Aus einem plötzlichen Reflex heraus schlug sie sich mit den Händen auf die Ohren, rollte sich auf ihrem einsamen Bett zusammen.
Sie schluchzte, kniff die Augen fest zusammen. Tief wühlte die Verzweiflung in ihr, klammerte sich fest um ihr schwaches Herz.
Verschwommen sah sie ihren Nachtisch vor sich. Tränen verschleierten ihr die Sicht, als sie nach dem glänzenden Gegenstand griff der dort lag, als wäre er nur für sie bestimmt. Ihre dünnen Finger schlossen sich fest um den Messinggriff und sie drückte das kleine Messer an ihre Brust.
Von Schluchzern gebeutelt setzte sie sich auf und starrte auf den Boden. Sie hob das kleine Messer und betrachtete ihren makellos weißen Unterarm. Dann erhob sie ihren linken Arm. Viele weiße und rote Linien zogen sich über ihn, dünn und fein. Eine neue Linie sollte hinzukommen, ihre Schmerzen lindern indem sie sich neue Schmerzen hinzufügte, die Verzweiflung vertreiben oder zumindest übertünchen.
Sie setzte die Klinge an. Die Haut wurde weiß, als sie den Druck erhöhte. Sie schloss die Augen, denn diesen Moment genoß sie gerne ohne störende visuelle Einflüsse. Sie spürte, wie die silberne Schneide in ihren dünnen Arm eindrang. Seufzend zog sie die Klinge nach unten.
Als sie die Augen wieder öffnete sah sie überall schwarze Punkte. Mit einem entzückten Lächeln lies sie sich nach hinten fallen in die weichen Kissen. Wie in Trance erhob sie ihren Arm. Ein dünner Faden Blut rann an ihm herab. Langsam führte sie den Arm zu ihrem Mund und leckte genüsslich den roten Lebenssaft ab. Fast augenblicklich spürte sie, wie das Leben in ihren zerbrochenen Körper zurück kam. Es floß ihre Kehle hinunter, so warm und energiereich wie das Blut, welches sie trank.
So lag sie da, in ihrem Bett, beide Arme von sich gestreckt. Sie beschmutzte die weißen Kissen doch es war ihr egal. Die Verzweiflung wich Zufriedenheit und Apathie. Das Messer lag fleckig zu ihren Füßen und ihr Körper zitterte nicht mehr. Ihr Atem ging flach und gleichmäßig und irgendwo erklang ihr Totenlied.