Cold ** Sin
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Triggern!!!

Verarbeitung vergangener Tage


Ich bin in Gedanken. Draußen schlägt der Regen gegen die Fenster und der Wind heult im Kastanienbaum. Es ist dunkel hier drin und draußen erhellen tausend Blitze die Nacht. Es ist warm, schon seit Tagen und die Hitze ist drückend. Doch meine Gedanken drehen sich um etwas anderes.
Ich höre den Donner grollen, das Lied aus dem Battle Royale Abspann, eine angenehme japanische Männerstimme, fest und doch (an)klagend. Auch mein Handy meldet sich; Grillenzirpen, leise und schwach geht es fast in der Musik unter. Ich nehme das kleine blauschimmernde Ding. Was hat es mir zu sagen?
„So, bin wieder daheim! Ganz übles Wetter da draußen! Ich hoffe du bist nicht mehr traurig! Ist doch alles gut gelaufen, musst dir keine Gedanken machen! Ich liebe dich!“


Ich liege auf dem Rücken und antworte. Ich mag Gewitter; der Wind rüttelt an meinen Rollläden. Bin ich noch traurig? Eine Träne entkommt meinem Auge, rinnt meine Schläfe entlang aufs Laken. Bin ich noch traurig? Ich weis es nicht. Ja, es ist alles gut gelaufen, sehr gut, besser als ich mir je zu erhoffen wagte. Musst dir keine Gedanken machen. Sagt er so einfach. Er kennt mich doch, meine Gedanken sind stets ein Teil von mir, ob ich nun will oder nicht. Er liebt mich. Ja, das weis ich. Ich liebe ihn ja auch.
Worum ging es doch gleich? Es ist warm, der Regen hat aufgehört, noch immer erhellen Blitze den Himmel. Ein DVD-Abend mit Eric*. Einer vom Board. Einer aus einer weniger schönen Zeit; ich hätte sie so gern hinter mir gelassen. Keine Weiber diesmal heißt es, mich als Ausnahme gerechnet. Zumindest niemand vom Board, ob mir jemand einfalle. Ich kenne niemanden, der gerne die selben Filme sieht wie wir. Keinen vom Board – ich muss an Anna* denken.
Damals war ein recht kalter Tag gewesen. Ich hatte ihn mir insgesamt sehr viel anders vorgestellt als es dann schließlich kam. Ein schrecklicher Tag im Dezember. Gerne würde ich ihn vergessen. Er ging zu ihr, ich wusste vorher nichts davon. Er hatte wohl vergessen es mir zu sagen. Wollte ich mit? Nein, das wollte ich nicht. Ich wollte es mir nicht antun. Vielleicht war ich auch etwas eingeschnappt, noch immer hatte ich an einen gemütlichen Abend zu Zweit gedacht; mein bester Freund und ich. Er ging zu ihnen, ich fuhr heim, starb beinahe in der Nacht eines eisigen Dezembers. Mein Auto schlidderte durch eine vereiste Kurve und mein Herz schmerzte stark. „An Tagen... wie diesen...“ Tränen verschlechterten die Sicht, während mein Herz weinte.
Er sah sie öfters wieder, auch sie gehörte zum Board. Ein nettes Mädchen ja, doch das machte es auch nicht leichter.
Es ist vorbei, fast ein halbes Jahr nun schon, und noch immer nagt es an mir, meiner Seele, meinem Herzen. Und ich kann nichts tun. Gedanken in meinem Kopf, von damals, jener Nacht, jenem Abend. Wie nah kamen sie sich? Er behandelte sie doch damals nicht auch wie mich? War ich denn was Besonderes, obgleich ich „nur“ als seine beste Freundin galt? Durfte auch sie sich auf und an ihn lehnen, ihn berühren, tun was ich tat wenn ich bei ihm war?
Oder war es wie jenes Mal? Lag er an ihrer Schulter, in ihrem Schoß, müde, schlafend, ihr so viel Vertrauen gebend? Nur diesmal ohne mich als stillen Beobachter? Als stummer Zeuge während es mich innerlich zerriss?

Einen Sinn ergeben muss dies nicht, ist es doch nur eine Gelegenheit eines armen Geistes seine Gedanken stumm in die Welt hinauszuschreien. Manch einer wird sich vielleicht wiederfinden in diesen meinen Wirrungen. Sollte gar der Gegenstand meiner Schmerzen dies vernehmen so sei ihm eins gesagt: Es musste eben raus. Was damit anzufangen ist, dass weis ich nicht; selbst nenne ich es Verarbeitung. Darum sei dies hier auch als unvollendet anzusehen. Mein Geist irrt weiter, nicht allein, umhüllt von Gedanken wie von Nebelschwaden.

* Namen sind geändert!